Quartierportrait Wettstein

Heimat der Villen und Rochianer

Im Jahre 1921 vermeldete das Statistische Amt: „Endlich ist zu bemerken, dass der unpraktische Namen für das Wohnviertel ‘Grenzach’ durch den historischen und lokal besser passenden Namen ‘Wettstein’ ersetzt worden ist.“

Die Namensänderung betraf das Gebiet, das ostwärts an die Kleinbasler Altstadt anschliesst und auf der einen Seite vom Rhein und auf der anderen von der Riehenstrasse begrenzt wird. Den östlichen Abschluss findet das Quartier in der Schwarzwaldstrasse und den parallel verlaufenden Gleisanlagen, die den Badischen Bahnhof mit dem Bahnhof SBB verbinden.

Wie auch im Clara war vor 1870 die Bebauung des heutigen Quartiers noch spärlich. So fanden sich lediglich vereinzelte Gebäude in Rheinnähe sowie im Gebiet um den Badischen Bahnhof. Im Zuge der Stadterweiterung wurden vorerst die rheinnahen Bereiche bis ungefähr auf die Höhe des Fischerweges überbaut. Die damalige Zweckbestimmung des Wettsteinviertels als gehobenes Mittelstandsquartier widerspiegelt sich noch heute in grosszügigen Bauten, insbesondere in Rheinnähe und entlang des stadtnahen Teils der Wettsteinallee. Zwischen der Jahrhundertwende und etwa 1920 war die Bautätigkeit im Wettsteinquartier im Gegensatz zu anderen Gebieten in der Stadt gering; erst in den 1920er- und 1930er-Jahren setzte sie verstärkt ein und die Bebauung dehnte sich nordostwärts aus. Entstanden sind in jener Zeit neben wenigen Industriebauten zur Hauptsache Wohngebäude. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden grosse Teile des Viertels mit Industriebauten und öffentlichen Einrichtungen ergänzt. Dabei ist der ganze nördliche Teil des Quartiers diversen Bildungsanstalten vorbehalten. Auf einem grossen Areal vereinigt sind das Sandgrubenschulhaus, welches verschiedene Schulstufen beherbergt, die Pädagogische Hochschule, die Gewerbeschule sowie die Hochschule für Gestaltung.

 

Westlich des Schulareals befindet sich inmitten einer Blockrandbebauung der Sportplatz Landhof, frühere Heimstätte des FC Basel. Derzeit dient das Gelände als Freizeit- und Erholungsraum. Trotz eines interessanten Überbauungsprojektes mit Genossenschaftswohnungen und einem Park sprach sich die Basler Bevölkerung 2010 an der Urne für eine Beibehaltung der unbebauten Grünfläche aus.

Einen bedeutenden Teil des Viertels nehmen die Fabrikanlagen der Firma Hoffmann-La Roche ein; die Verwaltungs- und Produktionsbauten links und rechts der Grenzacherstrasse prägen das Erscheinungsbild des südöstlichen Quartierteils wesentlich. Der chemisch-pharmazeutische Grosskonzern ist aus einem kleinen Drogerie-Fabrikationsbetrieb hervorgegangen, welcher Ende des 19. Jahrhunderts von Fritz Hoffmann-La Roche gegründet worden war.

Östlich des grossen Firmensitzes und an den Rhein anstossend, liegt die Solitude, ein öffentlicher Park. Dieser wurde auf dem Landgut von Emanuel Hoffmann-Preiswerk eingerichtet, welches die Stadt Basel 1924 erworben hatte. Seit 1996 beherbergt die Anlage ein Museum des Tessiner Architeckten Mario Botta, das ganz den Werken des Künstlers Jean Tinguely gewidmet ist.

 

Im Wettsteinquartier befinden sich zwei ehemalige Industrieareale, welche in den 1990er-Jahren umgenutzt wurden. Das eine ist das Gelände der ehemaligen Zimmerei und Schreinerei Nielsen-Bohny zwischen Wettsteinallee und Chrischonastrasse. Auf diesem Areal, das mehr als 15 Jahre lang fast ungestört im Dornröschenschlaf lag, wurde eine Gesamtüberbauung mit Miet- und Eigentumswohnungen aber auch Einfamilienhäusern erstellt. Das andere ist das ehemalige Fabrikareal der Brauerei Warteck. Dort wurden in einer ersten Phase Teile der Anlage abgerissen, andere dagegen erhalten. Es entstanden etwa 80 Wohnungen, diverse Ateliers sowie Gewerberäume. Im alten Sudhaus der Brauerei wurde zudem ein Kultur- und Werkraum eingerichtet. Anschliessend entstand der zweite Teil einer Wohnüberbauung auf der ehemaligen Industrieanlage zwischen Alemannengasse und Grenzacherstrasse. Dabei wurden mehrheitlich grosse Eigentumswohnungen und familienfreundliche Häuser mit Gärten sowie altersgerechte Atriumwohnungen errichtet.

An bester Lage am Rhein entstehen auf dem Gelände des Kinderspitals möglicherweise in absehbarer Zeit weitere Wohnungen. Diese seit 140 Jahren dort ansässige Institution wird im Jahr 2010 zusammen mit dem Kinderspital Bruderholz in ein neues modernes Kinderspital an der Schanzenstrasse, gleich gegenüber des Universitätsspitals Basel, verlegt werden.

 
 

07.06.2010 // Lageplan

 

26.05.2010 // kurz und bündig

Ortsplan Wettstein
Gesamtfläche 75,47 ha
Bevölkerung1 5'411
Bevölkerungsdichte2 138,6 Pers./ha
Bewohner/Wohnung3 1,8
Wohnfläche/Einwohner3 47 m2
Ausländeranteil1 25,4 %

1Stand Ende 2008, Statistisches Jahrbuch Kanton Basel-Stadt 2009; 2Einwohner pro Hektare Wohnzone Stand Ende 2008, Statistisches Jahrbuch Kanton Basel-Stadt 2009; 3Volks- und Wohnungszählung 2000