Quartierportrait Iselin
Kontinuierlicher Wandel und strukturelle Vielfalt
Ursprünglich wurde das Gebiet demjenigen Stadtsektor zugerechnet, der zum Spalentor hin orientiert war und auch das Gotthelfquartier und Teile des Viertels Am Ring umfasste. Seine offizielle Bezeichnung war Spalenquartier. Analog dazu hatte jedes (ehemalige) Stadttor seinen nach ihm benannten Bereich, der bis an die Grenze des Gemeindegebietes der Stadt Basel reichte. 1904 wurden im Hinblick auf eine Untersuchung der leerstehenden Wohnungen eine Neueinteilung bzw. eine Aufteilung aller Stadtsektoren vorgenommen. Von der Bebauung her gleichartige Gebiete wurden ausgeschieden. Das war die Geburtsstunde der heutigen Wohnviertel und ihren Untereinheiten, der Bezirke. Diese erfuhren in den darauffolgenden Jahren nur noch einige kleine Bereinigungen und fanden fortan auch für die eidgenössische Volkszählung Verwendung.
Das heutige Iselinquartier erhielt den Namen Hegenheimerviertel und wurde in die Bezirke inneres und äusseres Hegenheimerviertel aufgeteilt. In einer Veröffentlichung des Statistischen Amtes zur Volkszählung von 1910 wurde das Quartier folgendermassen beschrieben: „Der Rest des alten Spalenquartiers ist ein ausgesprochenes Arbeiterviertel mit stark italienischem Einschlag. Durch die Strassburgerallee zerfällt es in einen fast ausgebauten und einen noch kaum berührten Teil.“ Es gab Opposition gegen die Bezeichnung Hegenheimerviertel. Ein Teil der Bevölkerung wollte in Basel keine Quartiernamen, die sich an Ortschaften im Ausland anlehnten. „Man wählte dafür mangels besonderer Flurnamen nach dem daselbst gelegenen Isaak Iselin-Schulhaus den schöneren Namen ‘Iselin’“, dokumentierte das Statistische Amt 1932. Allerdings verwendet die Bevölkerung die Namen Spalen- und Hegenheimerviertel bis heute.
Wie in anderen expandierenden Städten wurden in Basel gewisse neue öffentliche Einrichtungen an die Gemeindegrenzen gebaut, deren Verlauf zumeist noch auf dem grünen Feld lag. So erstellte der Staat im Iselinquartier 1890 abseits aller bis dahin bestehender Quartierteile das Hilfsspital – eine Quarantänestation. Es wurde mehrmals erweitert und erneuert; die medizinischen Dienstleistungen wurden ausgebaut und in den 1950er-Jahren der Name in Felix Platter-Spital geändert. Die heutige Hauptausrichtung des Krankenhauses liegt in der Alterspflege.
Etwa gleichzeitig mit dem Hilfsspital wurde an der Grenze zu Frankreich der israelitische Friedhof angelegt. Während dieser noch lange Zeit ausserhalb des bebauten Gebietes lag, entstanden um das heutige Felix Platter-Spital bald Siedlungen. Bis zum Zweiten Weltkrieg war von der Stadt her westwärts bis zum Wasgenring beinahe das ganze Terrain überbaut. Ab den 1950er-Jahren erfolgte die Nutzung der Restflächen bis zur Landesgrenze. Zuerst entstanden hauptsächlich Wohnbauten, welche zu einem grossen Teil von Wohnbaugenossenschaften erstellt wurden, und erst nachfolgend öffentliche Einrichtungen. Die Bachgraben-Promenade verband das neu erbaute Gartenbad Bachgraben, das Wasgenring-Schulhaus und die Thomas-Kirche samt Pfarrhaus. Weiter südlich blieb ein Areal unbebaut, dort befinden sich bis heute Familiengärten. Daran anschliessend wurden Sportanlagen, z.B. die Rollschuhbahn, und ein städtischer Werkhof mit einem Verkehrsgarten errichtet.
Erst Mitte der 1990er-Jahre ist die städtische Siedlung beim israelitischen Friedhof an der Waldighofer- und Burgfelderstrasse entstanden, welche Bauten mit ehemaligen Sozialwohnungen ersetzt. Auf der anderen Seite der Burgfelderstrasse und am Luzernerring – das Areal gehört bereits zum St. Johannquartier – wurde zudem fast gleichzeitig auf einem Familiengartenareal eine weitere grössere Siedlung errichtet.
Sehr unterschiedlich präsentiert sich die Versorgungslage im Iselinquartier. „Hinter“ dem Wasgen- und dem Luzernerring, welche mit ihren vier Fahrspuren das Wohnviertel förmlich entzweischneiden, gibt es kaum Läden. Stadteinwärts wird das Angebot jedoch besser, vor allem entlang der Hauptadern. Diese sind – in umgekehrter Blickrichtung – die alten Ausfallstrassen, welche in die Nachbarorte führen: die Burgfelder-, die Hegenheimer- und die Allschwilerstrasse. Zum Leidwesen der Anwohnerinnen und Anwohner sind diese Strassen auch wichtige Pendlerwege, wobei Autofahrerinnen und -fahrer auf der Suche nach der schnellsten Route oder einem Parkplatz praktisch im ganzen Quartier auch auf die Nebenstrassen ausweichen. Speziell die Anwohnerschaft der äusseren Hegenheimerstrasse hat zusätzlich viel Lastwagenverkehr aus dem Allschwiler Gewerbegebiet Bachgraben/Neu-Allschwil und den direkt hinter der Grenze liegenden Kiesgruben zu verkraften.
Eine Verbesserung der Verkehrssituation ist für die vielbefahrenen, vierspurigen Hauptverkehrsadern Luzerner- und Wasgenring geplant. Bis 2013 ist der Rückbau von vier auf neu zwei Autofahrspuren mit separaten Velostreifen vorgesehen. Ausserdem soll der 1,44 Kilometer lange Streckenabschnitt mit Baumalleen aufgewertet werden und so mehr Platz und Lebensqualität ins Quartier bringen.

