Quartierportait Vorstädte
Gürtel entlang der Altstadtmauer
Diese äusserste Mauer umfasste auch die „Vorstädte“, die einst vor der alten, um das Jahr 1200 erbauten Umfriedung lagen. Kleinhändler und Handwerker hatten dort an den Ausfallachsen ihre Häuser errichtet. Massive Stadttore befestigten die aus dem Stadtgebiet hinausführenden Vorstadtstrassen. Als Mitte des 19. Jahrhunderts, im Zuge der Industrialisierung, Basel erneut aus allen Nähten zu platzen drohte und Choleraepidemien in der überfüllten Altstadt wüteten, wurde auch diese letzte Befestigung geschleift. Basel wandelte sich dadurch zu einer „offenen“, expandierenden Stadt. Während die eigentliche Stadtmauer restlos weichen musste, blieben von den fünf Toren wenigstens das St. Johanns-Tor, das St. Alban-Tor und das – heute mit dem Status eines Wahrzeichens bedachte – Spalentor bestehen.
Auf dem Gebiet der früheren Befestigungsanlagen wurden eine ganze Reihe öffentlicher Bauten errichtet. Ein Beispiel ist die Hebelschanze mit dem Bernoullianum, das Universitätsinstitute beherbergt. Auch einige der wenigen Grünflächen des Quartiers erstrecken sich entlang des ehemaligen Verteidigungsrings, wie etwa die St. Alban-Anlage oder der Botanische Garten. Ebenfalls in diesem Wohnviertel befindet sich der Petersplatz, flankiert von dem 1935 bis 1939 erbauten Kollegiengebäude der Universität. Immer im Spätherbst, wenn der älteste Warenmarkt der Schweiz, die Herbstmesse, stattfindet, verwandelt sich der baumbestandene Petersplatz in eine bezaubernde Budenstadt.
Heute zeichnet sich dieses halbkreisförmige Quartier durch eine ausgesprochene Nutzungsvielfalt aus. Im südöstlichen Teil, in der Gegend der Aeschenvorstadt, dominiert das Dienstleistungsgewerbe mit zahlreichen Banken und Versicherungen. Im nordwestlichen Teil, zwischen Petersgraben und Schanzenstrasse, nehmen Universität und Universitätskliniken viel Raum ein. Westlich der Schanzenstrasse, auf dem bereits zum Wohnviertel Am Ring gehörenden ehemaligen Areal des Frauenspitals, entsteht bis im Herbst 2010 das neue Universitäts-Kinderspital beider Basel. Angereichtert ist das ganze Quartiergebiet mit zahlreichen Museen, so z.B. des Kunstmuseum, das Haus zum Kirschgarten, die Kunsthalle, das Cartoonmuseum u.a. Viele Wohnlagen, vor allem entlang des „City-Ringes“, einer dem Verlauf der ehemaligen Stadtmauer folgenden mehrspurigen Autostrasse, sind zum Leidwesen vieler Anwohnerinnen und Anwohner durch starken Verkehr beeinträchtigt.

